DIGITALES KONDOLENZBUCH: Auf der vergangenen Konferenz in Berlin haben wir Klaus Palm nach etlichen Konferenzen in seinem Beisein sehr vermisst. Nun ist er im Alter von 90 Jahren verstorben. Wir trauern um den Ehrenvorstand des Deutschen Farbenzentrums und sind in Gedanken bei seinen nahen Freunden und Verwandten. 

Klaus Palm hat entscheidende Impulse für das Farbenzentrum gesetzt und war von 1975 bis 2002 Vorstand des DFZ. Klaus Richter und Marieluise Schaum mit Bernd Frank haben zwei persönliche Erinnerungen protokolliert, die sie mit uns teilen wollen. Die Berichte zeichnen das Bild einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, die uns Vorbild war und ist. Auch wenn einige, wie viele Jüngere, Klaus Palm nicht mehr persönlich kannten, so eilte ihm doch sein Ruf voraus und die ein oder andere Geschichte. Wir haben daher dieses digitale Kondolenzbuch eingerichtet, auf der wir die ein oder andere Erinnerung gern sammeln wollen.

ERINNERUNGEN von Marieluise Schaum und Bernd Frank: Gerettet aus der Frontlinie – mit dem Leichtflugzeug – die Geschichte eines Dreizehnjährigen – Klaus Palm gewidmet


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  1. KLAUS PALM – ein exzellenter Könner und Kenner, was Farbe angeht. Außerdem ein wunderbarer Mensch. Ich habe ihm viel zu verdanken.
    Prof. Armin Graßl

  2. Klaus Palm ist mein Held der Farbe, des Lichts und der Menschlichkeit. Vor fast drei Jahrzehnten war er einer meiner Prüfer und Grund dem Deutschen Farbenzentrum beizutreten. Als junger Mensch hat mich tief beeindruckt, dass er mit allen auf Augenhöhe sprach. Klaus Palm war uneitel. Über all die Jahre empfand ich ihn als Vorbild was seine Unvoreingenommenheit betraf, seine Neugierde und sein Talent die Menschen zu verbinden. Einmal hat er mich in einer Ansprache zitiert, was mich tief berührte: „Frau Pagels hat einmal gesagt, das Deutsche Farbenzentrum ist wie nach Hause kommen“. Wie sehr dieses Gefühl mit seiner Person verbunden war ist ein großer Schatz. Er hat verdient diesen Schatz zu hüten. In tiefer Dankbarkeit, Nathalie Pagels

  3. Gern schließe ich mich den würdigenden Worten von Klaus Richter und den Erinnerungen von Marieluise Schaum und Bernd Frank an. Auch ich bewahre dankbar wertvolle Erinnerungen aus vielen Begegnungen und dem Zusammenwirkem mit Klaus Palm aus mehr als 30 Jahren und bewundere bis heute seine Gabe, stets mit Hingabe, Umsicht und heiterer Gelassenheit das große Farbenschiff kreativ auf Kurs gehalten zu haben! Besonders dankbar bin ich ihm, dass er über Jahrzehnte auch dem Dresdner Farbenforum und der Sammlung Farbenlehre an der TU Dresden ein vertrauensvoll-aufgeschlossener Partner war. Klaus Palm, ein Mensch, der uns fehlt…

    Eckhard Bendin

  4. Rede anlässlich der Trauerfeier für Klaus Palm am 21.10.2022

    Ich habe Klaus Palm Anfang der neunziger Jahre auf einer Farbtagung kennengelernt, wo ich als Neuling gleich einen Vortrag halten durfte. Marieluise Schaum hatte mich als Mitglied im DFZ angeworben. Ich war nervös, ob ich vor so vielen Experten mit meinen Ansichten bestehen könnte, aber Klaus Palm hat mich sofort in den Kreis der erfahrenen Mitglieder eingeführt und mir vermittelt, dass ich von nun an dazu gehören würde.

    Mich hat überrascht, wie viele höchst unterschiedliche Berufsgruppen mit höchst unterschiedlichen Interessen und Forschungsansätzen im DFZ vertreten waren. Da gab es Wissenschaftler aus dem Kreis der CIE, Farbmetriker, Techniker, die sich mit der Optimierung von Druckern oder Monitoren befassten, Architekten, Stilberater, Künstler, Psychologen, Kulturmanager, Innenraumgestalter, Farbhersteller, Entwickler von Farbsystemen und so weiter und so fort. Von ihnen allen habe ich im Verlauf der verschiedenen Tagungen viel gelernt und meine Auffassung von dem, was Farbe ist und sein kann, erheblich erweitert. Die Fachkompetenz von Klaus Palm lag übrigens im Bereich von Farbstoffen und Pigmenten.

    Rasch wurde mir klar, dass die treibende Kraft, die ein solches heterogenes Völkchen zusammenhält, in der Person von Klaus Palm liegt, der, stets unterstützt von Klaus Richter, bereits seit 1975 die Fäden in der Hand hielt und die häufig ausgeprägten Persönlichkeiten mit ihren weltanschaulichen Gegensätzen und sozialen Unterschieden tatsächlich integrieren konnte. In manchen Berufsgruppen war man es gewohnt waren bezahlen zu müssen, um vortragen zu dürfen, in anderen erwartete man ein Honorar für die investierte Arbeit an einer Präsentation. Es gab Interessenten, für die bereits der Jahresbeitrag geschweige denn die Tagungsgebühr zu hoch waren. Klaus Palm hat hier stets diskret ausgleichend gewirkt. Er konnte mit Werbetreibenden, die unverhohlen für ihr Produkt Reklame machten und eigensinnigen Tüftlern, die sich in ihr eigenes System verrannten, mit reinen Wissenschaftlern, sowie mit Idealisten, die vor allem eine weltanschauliche Agenda vertraten gleichermaßen umgehen. Er brachte sie alle miteinander ins Gespräch, selbst wenn viele davon doktrinär ihre eigene Auffassung für allein selig machend hielten.

    Aber erst als ich selber auf Klaus Palms Vorschlag hin im Jahre 2002 seine Nachfolge antrat – er legte mir lediglich ans Herz die jährlichen Farbtagungen als eigentliche Existenzberechtigung des Farbenzentrums beizubehlten – wurde mir richtig klar, was seine wesentliche Leistung ausmachte.

    Die Farbinfo war sein eigentliches Lebenswerk. Ich meine damit nicht die Organisation irgendeiner Fachtagung, sondern diese spezielle Art einer interdisziplinären Tagung, wo die unterschiedlichsten Berufsgruppen und Charaktere aufeinandertrafen und sich mehr oder weniger harmonisch miteinander austauschten.

    Eine solche Art von Tagung zu erschaffen und am Leben zu erhalten bedarf es einer besonderen Art von Persönlichkeit, wie sie eigentlich nur Klaus Palm besaß. Ich meine die Sympathie und liebevolle Ausstrahlung, die er allen entgegenbrachte, die sich engagiert mit Farbe befassten, und zwar gleich welcher Ausrichtung. Er war für alle Aspekte offen und aufgeschlossen und konnte sich für die verschiedensten Lesarten begeistern. Vor allem liebte er die Menschen und wusste oder ahnte, was mit ihnen los ist, ob sie krank waren oder in Schwierigkeiten steckten und man ihnen aus anderen Gründen mit Nachsicht begegnen sollte. Durch ihn herrschte unter allen Teilnehmern eine recht familiäre Atmosphäre, was auch wörtlich zu verstehen ist, denn Frau Palm und andere Familienmitglieder und Vertraute der beiden Vorsitzenden haben sich tatkräftig an der Organisation der Tagungen beteiligt. Alle mochten Klaus Palm und waren bereit, über kleinere Pannen hinwegzusehen und ihn zu unterstützen. Seine Warmherzigkeit wirkte ansteckend.

    Ich musste lernen und habe durch ihn gelernt, mich mit Menschen zu verständigen, die mir in ihrer Wesensart und in ihren Ansichten recht fremd sind. Dafür bin ich ihm dankbar. Wenn ich an die Spaltung denke, die gegenwärtig unsere Gesellschaft bedroht, wo jeder in seiner Echokammer nur die Ansichten aufnimmt, die ihn bestärken, so sehe ich darin auch eine bedeutende sozialpolitische Leistung.

    Wir brauchen mehr denn je Menschen wie ihn, die eine Verständigung und einen fruchtbaren Dialog zwischen anscheinend unvereinbaren Positionen herstellen können und die Kunst beherrschen, mit jemandem im Gespräch zu bleiben dessen Auffassung man zwar nicht teilt, aber doch ernst nimmt und zu verstehen sucht ohne ihn besiegen oder herabsetzen zu wollen. Er fehlt uns.

    Karl Schawelka

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