Mit dem Tod von Bernd Frank verliert das deutsche Farbenzentrum ein Ehren-Mitglied, das jahrzehntelang zusammen mit seiner Ehefrau Prof. Dr. Marieluise Schaum im Hintergrund, aber sehr effektiv für das Wohlergehen des Vereins gewirkt hat. Der Plakatkünstler und Hochschullehrer an der HAWK Hildesheim starb am 3. März in Berlin im Alter von 83 Jahren.

Der gebürtige Erfurter hat nach abgeschlossener Lehre und einem Studium der Kunstpädagogik in Erfurt an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Grafik studiert. Dort war der bedeutende Gebrauchsgraphiker Klaus Wittkugel einer seiner Lehrer. In Berlin begann auch seine langjährige Verbindung zur Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. 

Für diese im Kulturleben Ostberlins äußerst wichtige Einrichtung, die Bernd Frank bis zum Schluss als „sein“ Theater ansah, entwarf er Hunderte von Theaterplakaten und prägte damit über Jahrzehnte das visuelle Erscheinungsbild dieses Hauses. Diese Plakate waren überall zu finden und gehörten zum vertrauten Bild der Stadt. Dabei handelte es sich stets um eigenständige künstlerische Arbeiten: konzentriert, typographisch prägnant und farblich mutig. 

Insbesondere das rechtwinklige „V“ der Volksbühne wurde zum Symbol dieser Ära. Zwar hatte der damalige Bühnenbildner Achim Freyer, ihm die Idee dazu gegeben, wie Bernd Frank immer bereitwillig einräumte, aber erst durch Bernd Franks konsequente und variationsreiche Anwendung wurde es zu einem ikonischen Markenzeichen des Theaters – lange bevor Begriffe wie „Corporate Design“ oder „Branding“ im Kulturbetrieb üblich wurden. Betont werden sollte, dass seine gestalterische Leistung darauf beruhte, sowohl den individuellen aufgeführten Stücken gerecht zu werden als auch den Bezug zur Volksbühne zu wahren. Die Freundschaft mit Achim Freyer, der sich nach seiner Flucht aus der DDR auch als Regisseur und Maler einen Namen machte, blieb zeitlebens erhalten.

Aber auch über die Arbeit an der Volksbühne hinaus gestaltete Bernd Frank Plakate und freie grafische Arbeiten für zahlreiche andere Theater und kulturelle Einrichtungen, wie er insgesamt das gesamte Spektrum der Gebrauchsgraphik bediente. Zu nennen wäre sein Beitrag für die große Ausstellung anlässlich der 100-Jahr-Feier des deutschen Theaters Berlin 1983, die Arbeiten für das Berliner Ensemble oder die Arbeiten für diverse Musikgruppen wie Silly mit der international erfolgreichen Frontfrau Tamara Danz. Wenn die DDR-Plakatkunst internationale Anerkennung gewonnen hatte, so war dies zu einem großen Teil sein Verdienst.

Marieluise Schaum und Bernd Frank gehörten kurz nach der Wende zu den ersten Mitgliedern des Deutschen Farbenzentrums aus den neuen Bundesländern. Sie beide haben sich nicht nur darum verdient gemacht, die ostdeutsche Tradition der Farbforschung im dfz bekannt zu machen, sie waren auch offen und neugierig, so dass es eine Freude war, sich mit ihnen über ihre Erfahrungen auszutauschen. In diesem Zusammenhang seien auch Ihre Bemühungen erwähnt, das Werk und Archiv des Farbforschers Lothar Gericke den Mitgliedern des dfz unter anderem durch einen Atelierbesuch im März 2025 näherzubringen.

Bernd Frank war jedoch nicht nur Gestalter, sondern auch Lehrer. Als Professor für Grafikdesign an der Hochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen vermittelte er seit den frühen 2000er Jahren seine Erfahrung und seine Haltung an eine neue Generation von Designerinnen und Designern. Dass ein Grafiker aus dem Osten eine solche Chance erhielt (und sie so glänzend zu nutzen wusste), war keineswegs selbstverständlich. Für viele Studierende war er ein prägender Mentor – einer, der Gestaltung als kulturelle Verantwortung verstand. Unter anderem entstand unter seiner Ägide mit dem farbig interpretierten Barcode das Logo des deutschen Farbenzentrums. 

Unter den vielen Einzel- und Gruppenausstellungen, die sein Werk in den letzten Jahrzehnten erfahren hat, sei besonders auf die Ausstellung 2022 in der Berliner Akademie der Künste hingewiesen, die auch vom dfz beworben wurde. Der im März 2024 für die Mitglieder des dfz organisierte Besuch in Berlin im museal eingerichteten Wohnhaus von Achim Freyer, mit dem Bernd Frank eine langjährige Freundschaft verband, dürfte vielen noch gut in Erinnerung sein.  

Bernd Frank war bis zum Schluss geistig rege und gestalterisch tätig. Es ist sehr zu hoffen, dass sein erweitertes Katalogbuch, das er als sein Vermächtnis verstand über die wenigen bislang existenten Exemplare hinaus einen Nachdruck erfahren kann. 

Trotz aller seiner Leistungen und Fähigkeiten blieb Bernd Frank als Gesprächspartner stets interessiert, stets kenntnisreich und anregend, nie auftrumpfend oder besserwisserisch. Das Deutsche Farbenzentrum verliert mit ihm nicht nur einen bedeutenden Gestalter, sondern auch einen Menschen, den viele als ihren Freund betrachten durften.

Karl Schawelka

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