Farbe als Entwurfswerkzeug einer bedürfnisorientierten nachhaltigen Architektur, Prof. Dr. Axel Buether, Bergische Universität Wuppertal

Kurzbeschreibung: Durch das Verschwinden der Farbe in Stadt und Land vergrößert sich die Entfremdung des Menschen von seinem Lebensraum, denn wir sind evolutionär beheimatet in der Vielfalt einer polychromen Umwelt. Die Farbigkeit der Umwelt ist nicht einfach da, sie ist genetisch für uns bestimmt. Farben dienen der Verhaltenssteuerung, insbesondere der Gesundheit, Orientierung, Tarnung, Warnung, Werbung, Statusanzeige und Verständigung.
Und dennoch werden die Bauten der Moderne von einer Farbe dominiert. Titanweiß hat einen Anteil von 2/3 der Weltproduktion an Farbmitteln, 95% der Objekte im Maler- und Lackiererhandwerk werden Weiß gestrichen. Weiß ist der allgemein akzeptierte Farbstandard der Moderne, ist praktisch und schnell in der Anwendung, erfordert keine Differenzierung, keine Begründung und keine Planung. Der Verzicht auf eine differenzierte und methodengeleitete Farbgestaltung hat messbare Konsequenzen für das Wohlbefinden und die Gesundheit der betroffenen Menschen.
Hierzu möchte ich eine Krankenschwester zu Wort kommen lassen, welche ihr persönliches Erleben in Worte gefasst hat und damit den Zusammenhang zwischen Farbe und Wirkung auf den Punkt bringt: „Im Moment ist es ja so, dass es hier keine Farbe gibt, es ist ja tatsächlich sehr farblos und auch sehr lieblos gestaltet.“ Sie vermisst in der Gestaltung ihrer Arbeitsräume die Achtsamkeit, die Zuwendung und die Wertschätzung, die für ihre Arbeit mit anvertrauten Menschen selbstverständlich ist. Architektur wirkt liebevoll gestaltet, insoweit sie den grundlegenden und spezifischen Bedürfnissen des Menschen Rechnung trägt, einen Resonanzraum schafft, wie es der Soziologe Hartmut Rosa formuliert.
Allgemeine Bedürfnisse wie das Streben nach Schönheit, Wohlbefinden, Gesundheit, Glück und Wertschätzung sind grundlegend für gute Arbeit und ein gelingendes Leben. Spezifische Bedürfnisse hingegen folgen aus dem Kontext der Erlebnis- und Handlungssituation, dem Genius Loci wie den konkreten Wünschen der Nutzerinnen und Nutzer vor Ort. Liebevoll gestaltete Architektur schafft einen Beziehungsraum, in dem sich der Mensch im besten Sinne des Wortes „beheimatet“ fühlen kann. Bei der Einbindung von Farbe in den Entwurfsprozess geht es daher nicht um oberflächliche Buntheit, sondern einzig und allein um Resonanz, um das Gestalten der Wirkungen, die Farbe bei den betroffenen Menschen im Kontext ihrer Lebens- und Arbeitssituation auslösen soll.

Zur Person: Axel Buether ist seit 2012 Professor für das Lehrgebiet Didaktik der Visuellen Kommunikation in der Fachgruppe Me diendesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Er ist gelernter Steinmetz und Steinbildhauer, der 1996 ein Diplom studium der Architektur an der TU Berlin abschloss. 1996 – 1999 arbeitete er als freischaffender Architekt im Bereich  Narrative Architektur und Ausstellungsgestaltung z.B. für die TRIAD Berlin; Gemeinsame Urheberschaft für Entwurf und  Realisierung des multimedialen Ausstellungsprojektes Bertelsmann Pavillon Expo 2000 Hannover. Seit 1999 realisiert er  mit dem Forschungslabor Farbe Licht Raum stark forschungsbezogene Projekte in den Bereichen Narrative Architektur,  Szenografie, Rauminstallationen und Ausstellungsdesign (z.B. Multimediales Erlebnisbauwerk Wasserkrater auf der Lan desgartenschau Bad Oynhausen/Löhne; Interaktive 360° Rauminstallation Sinneslandschaften im Grassimuseum Leipzig;  Themenausstellung Tanz – Wie wir uns und die Welt bewegen im Hygienemuseum Dresden). 2007 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden Deutsches Farbenzentrum – Zentralinstitut für Farbe in Wissenschaft und  Gestaltung gewählt (www.deutsches-farbenzentrum.de) und organisierte u.a. internationale Fachkonferenzen (z.B. DFG  Projekt Farbe in der Bildung oder Farbe als Experiment (www.farbe-als-experiment.de).  Die Schwerpunkte in seiner Lehre und Forschung bilden die Bereiche Raumtheorie (Raumwahrnehmung, Raumgestaltung,  visuelle Medien Farbe und Licht), Kreatives Entwerfen (Entwurfsstrategien, Kreativitätstechniken, Design Thinking, Stra tegisches Ideenmanagement, Innovationskultur), Designtheorie (Medien, Kommunikation, Raumgestaltung) und Design didaktik (Designrhetorik, Lerntheorie, analoge und digitale Techniken der Informationsgestaltung und Wissensvermittlung).

Farbe und Konzept – die Soteria Berlin und darüber hinaus: die therapeutische Wirkung des gestalteten Milieus,
Jason Danziger, thinkbuild architecture BDA / Berlin

Kurzbeschreibung:
The worst place to be when you suffer from a mental illness is a psychiatric ward.
– Dr. Loren R. Mosher (1933-2004), Founder – Soteria San Francisco

Finding a balance between the needs of patients on psychiatric wards and those of the institutions hosting them is a great challenge for architects. These wards are in many cases contested spaces, as they are collectively inhabited by patients as well as by medical and support staff, who often spend years of their working lives in them. Family and friends visit to offer to their loved ones solace, giving them a strong claim as “spatial-stakeholders“ in addition. However, critical decisions about how these places are designed and maintained often prioritise efficiency and initial costs, discounting the daily experience inside for all parties in the long term. This may often result in providing ”lowest common denominator“ environments, which themselves can be detrimental for everyone.
While there are many factors involved in de-institutionalising such spaces, colour – particularly in harmony with diverse light sources – can provide succour. A successful colour design can support orientation within wards and generate more home-like entrance narratives, welcoming spatial diversity and creating opportunities for varied stimulation. Integrated colour designs can in this way directly contribute to therapeutic strategies, supporting a diverse milieu more reflective of the individual journey of each patient. And it can often do this in a cost-effective manner.
Starting with the primary case study of the Soteria Berlin, (completed in 2013), Jason Danziger will share design strategies deployed there and trace how these have evolved and shifted through other projects in the time since. Primary methodological mechanisms inspired by the Werkstatt für Wandmalerei at the Bauhaus and contemporary design tools being used in our studio today such as the NCS Color Atlas will be discussed and illustrated by further case study examples.

Zur Person: Jason Danziger ist Architekt und Fachmann für benutzerorientiertes und konzeptionell motiviertes Design. Die von ihm gestalteten Räume fördern und unterstützen die Aktivitäten, die darin stattfinden, egal ob Arbeit, Lernen, Ruhe oder Heilung.  Jason Danziger hat das Architekturbüro thinkbuild architecture BDA Ende der Neunziger in Brooklyn, NY (USA) gegründet, bevor er im Jahr 2000 nach Berlin zog. Der Name thinkbuild verweist auf einen konzeptionell orientierten Ansatz, der  Theorie und Praxis miteinander zu verbinden sucht, um die Wünsche und Vorstellungen der Auftraggeber effektiv und originell umzusetzen zu können. Die Projekte von thinkbuild sind dementsprechend bis ins letzte Detail in ihrem und für ihren  jeweiligen Kontext entworfen – angefangen bei der architektonischen Raumgestaltung über die Farbgestaltung bis hinein  in die Gestaltung von Lichtelementen sowie Möbeln. 

DEU, Berlin, 11/2013, Soteria Station St. Hedwigs Krankenhaus Architekt: thinkbuild architecture, Bildtechnik: Digital-KB
DEU, Berlin, 11/2013, Soteria Station St. Hedwigs Krankenhaus Architekt: thinkbuild architecture, Bildtechnik: Digital-KB
DEU, Berlin, 11/2013, Soteria Station St. Hedwigs Krankenhaus Architekt: thinkbuild architecture, Bildtechnik: Digital-KB

Was Farbe mit Menschen macht, Nathalie Pagels, Pagels-Farbkonzepte, Düsseldorf

Kurzbeschreibung:“Was Farbe mit Menschen macht“
Was hat Farbe mit den Menschen gemacht, wenn der Farbberater wieder weg ist?
Hat Farbe auch etwas mit dem ausführenden Gewerk gemacht? 
Und wie steht es mit denen, die sich aus,- und weiterbilden lassen in der „Disziplin Farbe“? Wie verändert sich deren Wahrnehmung und wodurch zeigt sich das? 
Beeinflusst Farbe nicht nur unsere Empfindung, sondern auch wie wir agieren? 
Ein ergebnisoffenes Experiment in Interviews.

Zur Person: Nathalie Pagels ist Diplomierte Farbberaterin ICA und seit über zwanzig Jahren im Bereich Farbe tätig. Sie lebt und arbeitet  als freischaffende Farbkonzepterin in Düsseldorf , und ist für Unternehmen, öffentliche Auftraggeber, Privatpersonen und die Industrie tätig. Sie hält Vorträge und gibt Seminare, in denen sie der Farbe und ihrer  Anwendung zu dem Stellenwert in der Gesellschaft verhelfen will, der ihr gebührt.