Künstlerisch therapieren mit der Natur, Corinne Roy

Kurzbeschreibung: Farbe spricht uns unmittelbar seelisch an, ist eine der Sprachen, in der sich seelisches wortlos aussprechen kann. Die Kunsttherapie nutzt die Farb-Sprache in der Maltherapie und versucht darüber mit mehr Ebenen des Menschen in Kontakt zu treten, als es Worte vermögen.
Der Schlüssel, die Farbe oder andere Materialien als Medium der Therapie zu nutzen ist ein Kunstverständnis, das nicht den Anspruch hat, anschlussfähig an den Kunstmarkt oder die Kunstwissenschaften zu sein, sondern nur genügen soll die Handlungen von Therapeut:innen und Therapierten aus einem alltäglichen Nutzungszusammenhang oder auch Naturzusammenhang zu lösen und das Ergebnis mit künstlerischem Blick neu als Werk zu betrachten. Der veränderte Blickwinkel, die neu gewonnene Perspektive, kann ihrerseits Selbst- und Umweltwahrnehmungen ändern. Das neu entstandene, äußere Bild kann Auseinandersetzung ermöglichen, neue Bewertungen der Vergangenheit, neue Möglichkeiten der Zukunft generieren.
Die Verwendung von Pflanzenfarbe und Materialien, die direkt der Natur entnommen sind, setzt das künstlerische Handeln zum Wohle der individuellen Gesundheit gleichzeitig in den Zusammenhang globaler Gesundheit. Das Material besitzt keine Herstellungshypothek, ist direkt regenerativ, jeder Verwendungsschritt bis hin zum Abschied fügt sich in die weisen Kreisläufe von Werden und Vergehen. Dazwischen darf Kunst sein.
Corinne Roy, Kunsttherapeutin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Fachbereich Künstlerische Therapien und Therapiewissenschaft der Alanus Hochschule Alfter bei Bonn, Diplom Biologin, Pädagogin

Kunsttherapeutische Arbeit mit Onkologie-Patient:innen, Prof. Dr. Monika Wigger

Kurzbeschreibung: Die Mitteilung, an einem Tumor zu leiden, löst bei den Betroffenen Gefühle von Hilflosigkeit, existenzieller Bedrohung und tiefer Verzweiflung aus. Darüber hinaus kann die damit verbundene Behandlung, wie Operation, Bestrahlung und Chemotherapie, Befürchtungen mit sich bringen. Unabhängig vom Tumorbefund können daher Begleitsymptome wie z. B. körperliche Beschwerden, Angst und Depression entstehen und sich auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirken. Die Kunsttherapie ist eine Möglichkeit der supportiven Begleitung und kann dazu beitragen, die Patient:innen bei der Krankheitsverarbeitung zu unterstützen. Ästhetische Erfahrungen können dabei helfen Kraft zu schöpfen, im Kontakt mit sich selbst zu sein und sich dabei selbstwirksam zu erleben. Sehen, riechen schmecken, fühlen bezieht sich dabei nicht nur auf das ästhetische Objekt, sondern auch auf den Wahrnehmungsprozess an sich und der damit verbundenen Aktivität. Dies ist unter dem Aspekt von lebensbedrohlichen Erkrankungen und damit verbundener Behandlung von besonderer Bedeutung. Durch den künstlerisch- sinnlichen Zugang kann mentaler und körperlich ein Ausgleich geschaffen und die Selbstwirksamkeit der betroffenen Patient:innen aktiviert werden.
Natur und Farbe spielen dabei eine besondere Rolle. Die visuelle Farbigkeit eines Apfels, einer Blüte, eines Blattes, einer Landschaft, oder des Himmels kann dabei ein reines Vergnügen, ein Zugang zu Erinnerungen und/oder eine Inspiration zu eigenen bildnerischen Themen sein.
In diesem Workshop wird ein Interventionsrepertoire zum Thema Natur und Farbe praktisch erprobt. Darüber hinaus werden Beispiele aus der Kunsttherapie mit Hirntumorpatient: innen im Rahmen der Begleittherapien für neuroonkologische Patienten des Hirntumorzentrums (HTZ) am Uniklinikum Münster vorgestellt.

Zur Person: Monika Wigger, Prof. Dr. rer. medic., Professorin für Ästhetik und Kommunikation mit Schwerpunkt bildnerisches Gestalten an der Katholischen Hochschule Freiburg; Graduierte Kunsttherapeutin (DGKT) in eigener Praxis und im Rahmen der Begleittherapien für neuroonkologische Patienten des Hirntumorzentrums (HTZ) am Uniklinikum Münster.

Garten der Sinne – Ein naturgestütztesAngebot für Senioren,Anna Maria Mintsi-Scholze

Mein Beitrag gibt einen Einblick in das Verständnis von Natur im Sinne des One Health-Ansatzes und beleuchtet die Wirkungsweisen von Naturerlebnissen. Er gibt praktische Anregungen für die Integration von naturgestützten Angeboten, insbesondere in der Arbeit mit älteren Zielgruppen. Beispielhaft wird das Projekt Garten der Sinne in einer Berliner Senioreneinrichtung vorgestellt, das die Bereiche gemeinsames Gärtnern, Geragogik, Kunst und Therapie miteinander verknüpft. Hierbei wird die Natur vor allem als sozialer Knotenpunkt begriffen, um Senioren eine Möglichkeit der Teilhabe zu ermöglichen und psychisch zu entlasten. Anhand von konkreten Beispielen wird diese spartenübergreifende, naturgestützte Arbeit veranschaulicht.


Anna Maria Mintsi-Scholze
Kunsttherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Dozentin für BNE
www.mintsi.de
www.gartenderkuenste.de
www.sevengardens-berlin.org 
Garten der Sinne – ein naturgestütztes Angebot für Senioren in Pflanzenfarbe und Naturmaterialien in Kunsttherapie und Sozialkunst  ISBN 978-3-943618-11-2

Erlebnislabor. Farbfelder und bewegter Klang in
Karola Braun-Wanke, Ernst Wagner (Hrsg.) Über die Kunst, den Wandel zu gestalten. Kultur · Nachhaltigkeit · Bildung ISBN 978-3-8309-4286-3

Kunsttherapeutische Arbeit mit Pflanzenfarben, Maria Teresa Scafarella

Kurzbeschreibung: Laut der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist die Depression für die Industrienationen, „first-line health issue“und prognostiziert, dass „within 20 years more people will be affected by depression than any other health problem” (Fegert & Kölch, 2011, BBC News, 2009, in Stang 2018, 14).
Depression verändert die Menschen und manifestiert sich in Störungen des Antriebs-, Gefühlssystemsystems, des Körpers und Denkens. Die Hauptsymptome sind gedrückte Stimmung, Interessenlosigkeit, Antriebsarmut, Selbstwertlosigkeit, Freudlosigkeit, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Müdigkeit, Kraftlosigkeit usw. Ziel dieser empirischen Studie ist die Untersuchung der Wirkung der kunsttherapeutischen Arbeit mit Pflanzenfarben auf Aktivitäts-, Motivations-, Energieniveau und Freudenerlebnis von depressiven Adoleszenten. Patienten werden durch das nachhaltige Therapiemodell mit Pflanzenfarben im Einzelsetting von einer Therapeutin behandelt. Das Niveau der Aktivität, Motivation, Energie und Freude wird durch die Messinstrumente wie Befindlichkeitsfragebögen und Verlaufsprotokoll zur Selbsteinschätzung und Fremdbeurteilung pre- und post-session überprüft. Die Ergebnisse der Messinstrumente zeigen eine allgemeine Verbesserungstendenz des Aktivitäts-, Motivations-, Energieniveaus und Freudenerlebnisses bei der Mehrheit der Probanden. Diese Tendenz lässt sich durch die steigende Teilnahmefähigkeit, Interesse, Lust, experimentelles und aktives Verhalten sowie harmonische Auseinandersetzung mit dem Material und persönlichen Themen feststellen.

Zur Person: